Die wichtigsten Handtechniken und Würfe

Die Grundlage effektiver Handtechniken ist eine gute Beinarbeit, nur so kann die Kraft der verschiedenen Muskelgruppen synchronisiert und fokussiert werden. Alle Schläge werden nicht nur aus dem Arm heraus ausgeführt, sondern die Kraft der Beine und der Hüfte werden ebenfalls genutzt. Das Prinzip der 6 Harmonien (insbesondere der äußeren 3 Harmonien) ist bei dieser Energiearbeit unverzichtbar.

Die Handtechniken und Würfe Fusstechniken kannst Du auch als PDF-Dokument hier hierunterladen.​

‘Tong Choy’ Tong Chui 統捶= Der gerade Fauststoß

Tong Choy

Dieser Schlag wird (meist nach einem Block) durch eine Streckung des Armes ausgeführt.
Der Faustrücken wird dabei nach oben gedreht. Dieser Fauststoß bohrt sich regelrecht „in“ den Gegner.
Um dem Schlag weitere Kraft zu verleihen wird zeitgleich eine unterstützende Stellung eingenommen.
Durch die Bewegung des Einnehmens der Stellung wird die Schlagkraft um die Kraft der Beine sowie die Kraft der Hüfte verstärkt.

► Die Techniken im Seven Star Mantis Kung Fu Stil sind nicht „starr“ sondern dynamisch: In dieser Grafik sehen wir „nur“ die Endposition. Abhängig von der Bewegungsrichtung ändert sich das Zusammenspiel von Arm-, Bein- und Hüftbewegung unter der besonderen Berücksichtigung der 6 Harmonien

A)   Wir stehen still da (z. B. Formanfang) haben also keine Ausgangsbewegung und werden mit einer Faustattacke zum Kopf angegriffen.

Zunächst agiert die linke Körperseite: Der linke Fuß macht eine Ausweichbewegung nach links, dadurch wird der gesamte Körper nach links verlagert um der Attacke aus zu weichen. Gleichzeitig blockt die linke Hand nach rechts, so wird der gegnerische Arm noch weiter von unserem Kopf weggeschleudert. Die Hüfte dreht sich dabei nach rechts und unterstützt dadurch sowohl die Fußtechnik als auch die Handtechnik.

(Hier sieht man auch schön den Yin-Aspekt (Verteidigung) der Technik. Da im Yin immer auch das Yang keimt (der Punkt) erwächst aus der Verteidigung nun der Angriff).

Danach agiert die rechte Körperseite: Der rechte Fuß macht eine Angriffsbewegung nach vorne (tiefer Tritt oder fixieren des Gegners).  Gleichzeitig schlägt die rechte Hand den Gegner (gerader Fauststoß nach vorne).  Die Hüfte dreht sich dabei nach links und unterstützt dadurch sowohl die Fußtechnik als auch die Handtechnik (3 äußere Harmonien).

Mit zunehmender Trainingserfahrung wird die Technik so schnell und explosionsartig (3 innere Harmonien), dass es so scheint als würden beide Körperhälften gleichzeitig agieren.

B)   Wir bewegen uns auf die Gegner zu, haben also eine Ausgangsbewegung nach vorne und werden mit einer Faustattacke zum Kopf angegriffen.

Zunächst agiert die linke Körperseite: Der linke Fuß macht eine Angriffsbewegung nach vorne (tiefer Tritt oder fixieren des Gegners). Gleichzeitig blockt die linke Hand nach vorn-links, so wird der gegnerische Arm weggeschleudert. Die Hüfte dreht sich dabei nach rechts und unterstützt dadurch sowohl die Fußtechnik als auch die Handtechnik.

Nun wird ein weiterer Block mit der linken Hand durchgeführt: Die linke Hand die sich im Augenblick nah beim Gegner befindet wehrt mit einer Blockbewegung nach rechts eine möglichen zweiten Faustangriff ab. Dabei ist es unwichtig ob der Gegner nun einen zweiten Schlag ausführt oder nicht: Wir gehen einfach davon aus das ein Schlag kommt den wir abwehren! Wenn keiner kommt ist das auch nicht schlimm, ABER wir sparen wichtige Zeit:

Die Zeit die wir gebraucht hätten um den Schlag wahrzunehmen,
die Zeit die wir gebraucht hätten um die Entscheidung zur Abwehr zu fällen
und die Zeit die wir gebraucht hätten um dies unserem Körper mitzuteilen …

Danach agiert die rechte Körperseite: Der rechte Fuß macht eine Angriffsbewegung nach vorne (tiefer Tritt oder fixieren des Gegners).  Gleichzeitig schlägt die rechte Hand den Gegner (grader Fauststoß nach vorne).  Die Hüfte dreht sich dabei nach links und unterstützt dadurch sowohl die Fußtechnik als auch die Handtechnik (Harmonien).

Diese Technik hat einen etwas höheren Zeitaufwand. Dafür werden aber auch zwei gegnerische Attacken abgewehrt und der eigene Schlag hat noch mehr Energie (durch die Bewegung nach vorne). 

 


‘Huen Choy’ – Quan Chui – 圈捶 = Der gestreckte seitliche Armschwinger (wörtl. „kreisender Schlag“)

Huen Choy

Dieser Schlag wird mit gestrecktem Arm, schwungvoll von der Seite kommend, zur gegnerischen Schläfe ausgeführt. Getroffen wird mit den Knöcheln.
Die Energie ist die Summe von: Armstreckung, Oberkörperkraft, Schulterkraft, Vorwärtsbewegung und Hüftdrehung.


‘Bang Choy’ – Beng Chui – 崩捶 = Der Faustrückenschlag (wörtl. „vernichtender Schlag“)

Bang Choy

Dieser Faustrückenschlag wird in einer schnellen senkrechten Kreisbewegung des Unterarms ausgeführt und ist daher kaum noch abzuwehren.
Dieser Schlag wird meistens gegen den Kopf des Gegners (
Schläfe) oder gegen die Halswirbelsäule ausgeführt.


‘Bek Choy’ – Pi Chui – 劈捶 = Die Hammerfaust  (wörtl. „hämmernder Schlag“)

Bek Choy

Dieser Schlag wird von vorne und oben gleichzeitig ausgeführt und zerstört z. B. das Schlüsselbein oder den Hals des Gegners.
Die wirkende Kraft ist die Summe von: Armstreckung, dem Herunterziehen des Ellenbogens, Schulterkraft, Oberkörperkraft, Vorwärtsbewegung, dem Abwärtssinken in den „Ma Bo“ und der Hüftdrehung.


‘Deng Tzì Choy’ – Ding Qi Chui – 頂臍捶  = Der tiefe, seitliche, gerade Fauststoß (wörtl. „Schlag, der den Nabel spaltet)

Deng Tzì Choy

Die Energie des Stellungswechsel zur „Ma Bo“ wird in direkter Linie zum Gegner geleitet.
Dieser Schlag wird auch gegen das Herz* des Gegners geführt. Im Gegensatz zum ‘Tong Choy’ der nach vorne gerichtet ist, ermöglicht beim ‘Deng Tzì Choy’ die Einnahme der „Ma Bo“ einen seitlichen und damit stärkeren Fauststoß: Wie bei einem Rammbock drückt der ganze Körper auf einer Linie die Faust in den Gegner. 

Die Faust dreht sich erst im letzten Moment vor dem Aufprall. Dies hat zwei Wirkungen: Der Schlag bekommt noch mehr Kraft und durch die Drehung verlieren die gegenerischen Bauchmuskeln einen Teil ihrer schützenden Spannung.
* In der traditionellen chinesischen Medizin war es verboten den menschlichen Körper aufzuschneiden. Wenn wir im Kung Fu Kontext vom Herz als Ziel reden, meinen wir nicht nur das Herz, sondern auch den Solarplexus etc. Ein anderer Begriff für die Art des Angriffes: „Wir schliessen das mittlere Tor.“


‘Tip Chou’ – Tie Zhou – 貼肘  = Der Ellenbogenstoß  (wörtl. „den Ellenbogen anbringen“)

Tip Chou

 

Aufgrund der kurzen Entfernung von der Schulter zum Ellenbogen wird die Kraft des gesamten Körpers in die harte Ellenbogenspitze geleitet.
Diese Technik, welche nur auf kürzeste Distanz einzusetzen ist, hat eine verheerende zerstörerische Wirkung.


‘Fung Tong Choy’ – Feng Tong Chui –   封統捶 = Der fassende gerade Schlag

Fung Tong Choy

Bei dieser Technik wird ein gegnerischer Schlag wieder zunächst geblockt, sprich seitlich umgeleitet, sodass wir nicht mehr in der „Linie des Schlages“ sind. Wir blocken mit dem vorderen Arm, da dieser dem Gegner und damit dem ankommenden Schlag am nächsten ist (Zeitvorteil). Nachdem der gegnerische Schlag geblockt wurde und wir erst einmal aus der unmittelbaren Gefahr sind „k. o.“ -geschlagen zu werden, nutzen wir den durch den Block hergestellten Kontakt. An der Stelle an der wir den Arm geblockt haben, fassen wir sofort kräftig zu und ziehen den gegnerischen Arm an uns vorbei. Dies geschieht nicht gegen die Kraft, die Energie des Gegners, sondern mit der Kraft des Gegners. D. h. unser Gegner bringt uns Kraft und Schwung entgegen. Nach dem Umleiten, um uns selbst außer Gefahr zu bringen, nutzen wir diese Kraft und den Schwung aus und ziehen den Gegner so noch weiter an uns heran. Während unser Gegner nun (gegen seinen Willen) auf uns zu kommt, führen wir mit dem anderen Arm einen Fauststoß aus. Das Kreuz (die Schultern) agieren hier wie die Achse eines Wagens, so verstärkt der Zug des einen Armes den Schlag des anderen. Diese Technik verdeutlicht uns besonders gut eines der großen Vorteile des „Fassens“: Durch das Heranziehen des Gegners kann ich mangelnde Reichweite kompensieren! D. h. ein deutlich kleinerer Kämpfer kann die höhere Reichweite eines großen Gegners überwinden und daraus sogar Vorteile ziehen.

Geheimtipp: Bei Rückenschmerzen 5 bis 10 Minuten pro Tag diese Handtechnik (zusammen mit der Tai (Ma) Bo’ ⇒ siehe obiges Bild) trainieren!


‘Tso Choy’ – Cuo Chui – 挫捶  = Der von unten kommende Schlag (wörtl. „runterdrückender Schlag“)

Tso Choy

Dieser Schlag wird (nach einem Blick nach unten) in einer geraden Linie von unten nach oben ausgeführt (ist damit des Gegenstück zum „Bang Ch’oi“).
Dieser Schlag wird z. B. gegen das gegnerische Kinn oder den Solarplexus ausgeführt.
Gleichzeitig kann der ‘Tso Choy’ (mit der richtigen Hüft- und Beinarbeit) dazu genutzt werden den Gegner zu blockieren und runter zu drücken.


‘Diu Sao’ – Diao Shou – 刁手  = Der Mantisgriff (wörtl. „trickreiche Hand“)

Diu Sao

a) Einfache Technik: Bei dieser Technik wird ein gegnerischer Schlag zunächst wieder geblockt, sprich seitlich umgeleitet, sodass wir nicht mehr in der „Linie des Schlages“ sind. Wir blocken mit dem vorderen Arm, da dieser dem Gegner und damit dem ankommenden Schlag am nächsten ist (Zeitvorteil). Nachdem der gegnerische Schlag geblockt wurde, und wir erst einmal aus der unmittelbaren Gefahr sind „k. o.“ – geschlagen zu werden, nutzen wir den durch den Block hergestellten Kontakt. Da wo wir den Arm geblockt haben, fassen wir sofort kräftig zu und ziehen den gegnerischen Arm an uns vorbei. Dies geschieht nicht gegen die Kraft, die Energie des Gegners, sondern mit der Kraft des Gegners. D. h. unser Gegner bringt uns Kraft und Schwung entgegen. Nach dem Umleiten, um uns selbst außer Gefahr zu bringen, nutzen wir diese Kraft und den Schwung aus und ziehen den Gegner so noch weiter an uns heran. Während unser Gegner nun (gegen seinen Willen) auf uns zu kommt, führen wir weitere Techniken aus.

b) Fortgeschrittene Technik: Der Arm des Gegners wurde in der Vortechnik gefasst. Dieser Arm wird zu unserer Hüfte (unserem Kraftzentrum) gezogen. Wenn der Gegner einen weiteren Schlag ansetzt wird der Schlag mit der Mantis-Technik eingefangen und nach unten gezogen. Wenn der Gegner KEINEN weiteren Schlag ansetzt wird der Gegner am Genick eingehakt und nach unten gezogen. Während der Gegner nach unten gezogen wird kommt ihm unser Kniestoß entgegen und die Kräfte addieren sich. Danach wird das Nichtstandbein gestreckt, wodurch ein ‘Tsa Toi’ gegen das gegnerische Knie ausgeführt wird. Wenn der Gegner zunächst mit seiner Rechten angegriffen hat, wurde er geschlossen (Überkreuzung und Fixierung seiner Arme). Wenn der Gegner zunächst mit seiner Linken angegriffen hat, wurde er geöffnet (seine Arme wurden auseinandergedrückt und der Oberkörper hat keine Deckung mehr).


‘Yam Cham Cham Miu’ – Yin Zhen Zhan Yao – 引針斬腰 = Das Fassen, Ziehen und Werfen mit Handkantenschlag – Die Nadel ziehen, um die Niere zu durchschlagen

Yam Cham Cham Miu

Diese Technik wird immer als eine Folgetechnik durchgeführt (z. B. nach einem Au – Lau – Tsai). Der Arm des Gegners wird gefasst und weggedrückt. Durch das Einnehmen der Stellung „Tsat Hsing Bo“ wird das gegnerische Bein am Boden fixiert. Wenn nun die eigene Hüfte gedreht wird, verliert der Gegner sein Gleichgewicht. Gleichzeitig „verdreht“ sich der Gegner, sodass seine Niere frei liegt, „effektiv“ wie unser Stil nun mal ist, führen wir natürlich einen Handkantenschlag gegen die Niere unseres Gegners aus.

Die daraus resultierenden Schmerzen sollten unserem Gegner die Lust auf eine Auseinandersetzung nehmen, was uns die Möglichkeit einer freundlichen Verabschiedung gibt.   😉


‘Sien Fung Sao’ – Shan Feng Shou – 扇風手 = Die Klauentechnik (‚Wurf‘ oder ‚Zerstörung des gegnerischen Knies‘) – Mit der Hand Luft fächern

Sien Fung Sao

Der vordere Arm fasst den schlagenden Arm des Gegners. Das hintere Bein schwingt herum und wird gestreckt (gegen das Knie des Gegners oder hinter den Gegner gestellt) ‚Tong Ta Bo‘. Die andere Hand formt die Klaue und schwingt dem Kopf des Gegners entgegen. Wenn der Gegner nun versucht diese Attacke zu blocken, schwingt der Ellenbogen (samt Klaue) herum und attackiert den Gegner unerwartet auf der anderen Seite.

In dieser Attacke addieren sich die Kraft der Stellung, der Hüfte, des Oberkörpers, der Schultern, des Armes und der eigentlichen Klaue – mehr muss wohl nicht mehr gesagt werden…   😉

Die Fusstechniken kannst Du auch als PDF-Dokument hier hierunterladen.